Das Aufreiten ist eine Verhaltensweise, die bei vielen sozial lebenden Säugetieren nicht nur der Fortpflanzung dient, sondern auch im sozialen Zusammenleben eine wichtige Funktion hat. Das Aufreiten ist Bestandteil eines ganzen Verhaltenskomplexes, der aus Annäherung, Beschnuppern, Kopf auf den Rücken, Pfote oder Pfoten auf den Rücken und den Vorderkörper auf den Rücken auflegen besteht.
Spätestens hier wird die Reihenfolge normalerweise unterbrochen, da sich der «unterstehende» Partner wegdreht oder davonläuft.
Er kann seine Abwehr auch mit Knurren oder Schnappen verdeutlichen. Diese Reaktion ist dennoch für den aufreitenden Hund ein Erfolg und das Aufreiten kann sich zu einer seiner besonderen Spezialitäten entwickeln.
Mit dem Aufreiten oder bereits mit dessen Vorstufen (Kopfauflegen, Pfotenauflegen) kann er zuverlässig die Aufmerksamkeit eines anderen Hundes auf sich lenken. Sei das zum Spielen oder sei es, um ihn an einer Tätigkeit zu hindern. Will der Hund auf ungefährliche Art seine soziale Stellung testen, so geben ihm die Reaktionen auf die Aufreitvorstufen bereits klare Signale.
Er kann das Vorspiel abbrechen, sobald er merkt, dass er an die Grenzen kommt. Das Aufreiten ist desshalb ein so häufiges Sozialverhalten, da es durch seine Stufen (Annähern, Riechen, Kopfauflegen, Pfotenauflegen, Aufreiten) und da es eigentlich der Fortpflanzung und nicht dem Kampf dient, für beide Beteiligten ungefährlich ist. Die momentane Dominanz wird getestet und demonstriert ohne Verletzungsrisiko.
In diesem Sinn lässt sich das Aufreiten mit dem menschlichen Händeschütteln, Schulterklopfen, Arm auf die Schultern legen und Umarmen vergleichen. Auch bei uns kann das von freundlichst bis absolut dominant unterdrückend empfunden werden. Nun gibt es Hunde, die sich zu wahren Aufreitern entwickeln und scheinbar jeden anderen Hund damit belästigen müssen. Oder zumindest fast jeden, denn nicht alle Opfer werden es zulassen. Andererseits gibt es auch Hunde, die es zumindest für einige Zeit tolerieren, aufgeritten zu werden.
Das Aufreiten kann auch als Sexualverhalten gegen Hunde, Menschen, Tiere, Möbel oder Spielsachen gezeigt werden.
Das sexuelle Aufreiten unterscheidet sich vom sozialen Aufreiten durch das Umklammern mit den Vorderbeinen, das Stossen mit dem Becken und einer möglichen Erektion.
Sexuelles Aufreiten gegen Menschen oder Gegenstände kann ein Hinweis für eine falsche sexuelle Prägung in den ersten acht Lebenswochen sein. Fehlender Kontakt mit anderen Hunden und ein intensiver Kontakt mit dem Menschen können den Hund sexuell fehlprägen. Er empfindet den Menschen oder einen bestimmten Gegenstand als Geschlechtspartner. Solche fehlgeleitete Geschlechtsempfinden können auch durch entsprechende Erfahrungen in der sexuellen Pubertät entstehen.
Das Aufreiten und seine Vorstufen sind ein Teil der Verständigung zwischen den Hunden und daher sollten wir uns nicht einmischen. Ein solcher Kontakt wird beendet, indem zuerst der Halter des aufreitenden Hundes sein Tier zu sich ruft. Ein guter Gehorsam gibt ihm auch die Möglichkeit zu verhindern, dass sein Hund andere Hunde mit Aufreiten belästigt.